Full Auto Friday, Teil 2

20.02.2012 00:00

Da standen wir nun also in der Wüste Arizonas, ziemlich erregt und voll freudiger Erwartung. Nach einer sauberen Einweisung in "Haus"- und Sicherheitsregeln durften wir Hand anlegen. Munition war - vermeindlich - in Hülle und Fülle vorhanden und so stand ausgiebigem "Abladen" nichts mehr im Weg. Abwechslungsweise wurde den verschiedenen Ladies auf den Zahn resp. Abzug gefühlt. Die Aufforderung zum ersten Tanz ging an die MP5. Und es war ein geschmeidiger Einstieg. Wie Bob meinte, war das Teil nicht ganz original, sondern leicht gepimpt. Und wirklich: sie schoss sich wie ein Traum. Wir waren uns auch am Abend alle einig, dass diese MP5 der Hammer war - zielen, treffen und die Visierlinie halten war auch in Dauerfeuer völlig unaufgeregt möglich. Wir hätten sie am liebsten "entführt", aber eben...
Das Russen-MG kam dann schon als zweite dran - solange wir noch bei Kräften waren. Und die brauchten wir auch. Die 7.65x53R ist halt doch was anderes als GP90. Dabei ist das PKM auch schon eine ältere Dame. Dafür tausendfach bewährt und bekannt. Archaisch wie ein Dinosaurier aus ganz alten Zeiten spukte das Biest die blauen Bohnen in den Sand. Unverwaschen, ungezügelt und unzensiert. Trotz allem behersch- und berechenbar. Und sehr erfrischend. Es hätten gern noch ein paar Gurte mehr sein dürfen. So viel Mun auch vorhanden schien, mit Dauerfeuer relativieren sich die Quantitäten rasch. Aber man soll ja bekanntlich aufhören, wenn's am schönsten ist.
Nach diesem Thrill war das Schiessen mit den restlchen Geräten nahezu unspektakulär. Und dennoch interessant. Ein SIG 552 vollauto zu schiessen, die Gelegenheit kommt wohl nicht so schnell wieder. Ebenso die FN2000 oder das KRISS in .45 ACP. Für uns interessant war, den Babies mal im direkten Vergleich "den Puls messen" zu können. So fallen die verschiedenen Eigenschaften der Waffen doch deutlicher auf, denn das Gefühl ist noch frisch und klar.
Aufgelockert wurden die Durchgänge zwischendurch mit "Fachgesprächen" mit unserem Begleiter. Ja, Bob taute nach und nach auf und plauderte auch mal ein wenig aus dem Nähkästchen. Er gab praktische Tips und war ausserdem beim beheben von Störungen behiflich. Störungen?? Was, wo gibt's denn sowas? Etwa beim PKM? Ach wo, das ist unzerstörbar. Etwas das SIG Commando? Nein, das ist doch made in Switzerland ;-) Nein, das FN2000 war plötzlich nicht mehr zum schiessen zu überreden. Auch nach längerer - notabene feldmässiger - Untersuchung war der Fehler nicht zu beheben. Was jetzt aber nicht bedeuten soll, dass dieses .223er Gewehr schlechter war als die anderen. Im Gegenteil, es schoss sich sogar sehr angenehm und bequem, lag gut im Feuer. Der Vorfall zeigt halt bloss, dass auch neueste Hitech Konstruktionen und Materialien dem Fehlerteufel zum Opfer fallen können - auch im 21. Jahrhundert. Mechanik war, ist und bleibt spannend. Lieben wir sie nicht genau dafür?
Die Heimfahrt zurück nach Vegas gestaltete sich fast wie ein kitschiger Neo-Western. Die Sonne ging vor uns langsam unter und tauchte den Himmel in ein exotisches Farbspekrum. Entsprechend widerspiegelte sich diese Stimmung auf der Landschaft und dem Highway. Holywood-Streifen kamen einem unweigerlich in den Sinn. Später bei Einbruch der Nacht über die Hügel am Rande von Vegas in die Stadt hinunter zu gleiten war ein erneuter optischer Genuss (der akkustische fiel mangels V8 unter der Haube leider aus) - so unendlich viele bunte und blinkende Lichter auf einmal ist man sonst nicht gewohnt.
Auf den letzten Kilometern... ähmm, Entschuldigung... auf den letzten Meilen wurde dann noch innigst diskutiert, wer denn nun das FN2000 kaputt gemacht habe. Naürlich wollt's wieder keiner gewesen sein ;-) Macht auch nichts - es war so oder so ein Tag wie im Bilderbuch - einfach perfekt. Hier ein paar Bilder.
 


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